Newsletterthemen: Entschleunigung, wie vor 100 Jahren, braune Öko-Bio-Eso-Touren

10.6.2013 admin Newsletter Technix IMPRESSUM

Unser vierteljährlicher Liguri-Newsletter, der über ein einfaches „Her mit dem Newsletter!“ an liguria@ok.de gratis abonniert werden kann, hat neulich mit einem Artikel „ENTSCHLEUNIGUNG“ UND „SELBSTVERSORGUNG“ UND „WIE VOR 100 JAHREN“ einigen Staub aufgewirbelt. Es ging darin um Projekte und Ansätze, die eigentlich ein hohes altermondiales Inspirations- und Praxispotenzial in der Richtung menschlicher Befreiung aus entwürdigenden, entfremdenden und versklavenden Sozialverhältnissen aufweisen – uneigentlich jedoch so wenig wie andere gute Ideen und Parolen vor herrschaftlicher Umarmung und faschistischer Übernahme gefeit sind. In einem ANTI-LITERATUR-TIP wurde vor solchen unter fadenscheiniger esoterischer oder antikapitalistischer oder lebensberaterischer Flagge ihren Braunmist verschiffenden Giftschleudern gewarnt. Exemplarisch im Fokus: U.Ulfkottes „Was Oma und Opa noch wussten“ aus dem Kopp-Verlag, der seit vielen Jahren erfolgreich „braunes Gedankengut unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit“ verbreitet, so das Ergebnis einer NDR-Reportage von Björn Platz am 16.5.2012 im Medienmagazin ZAPP.
Ein Hinweis aus der Community auf Karin Fuhrmanns kürzlich in HR2 gesendeten Radiobericht „Braune Milch vom Biohof – Ökologie von rechts“ zeigt, wie brennend und vielzweigig das Thema ist. Die entsprechenden Ausschlussklauseln, die in den führenden Bio-Verbänden nun diskutiert bzw. eingeführt werden („Bioland“ hat den Klartext bereits in der Satzung), spiegeln den Ernst des Trends. Ob in Mecklenburg-Vorpommern, im Hessischen oder im Bremischen; ob durch sarrazinöse „Was unsre Ahnen noch wussten“-Ratgeber oder in Gestalt praktizierender „Artamanen“ auf heimatlicher Scholle – der Schoß ist fruchtbar noch. Aber er liegt auch nicht „auf dem Land“ als solchem, das die braunen Rattenfänger nicht ohne Erfolge so giftig beackern. Die erwähnten, unter der falschen Flagge friedlich-selbstgenügsamer Biobauerei in Meck-Pomm einsegelnden Gruppierungen tun dies z.B. mit systematischer Ermutigung durch NPD-Strukturen, mit strammer Wikingjugend-Politisierung im Rückgrat – und meist von Westen her.
Auch in der historischen Nazizeit war die kulturelle Penetration des flachen Landes bei aller Schollen-, Blut- und Bodenrhetorik kein quasi-originärer Selbstläufer, sondern ein zäher intellektuell-propagandistischer Eroberungsakt, für den die städtisch-moderne Führerschicht der Bewegung und der Partei zunächst gar nicht gerüstet war. Später mussten diese eigentümliche Land-Arbeit weniger verbreitete „Spezialabteilungen“ übernehmen, die im Österreichischen vergleichsweise zielführender und nachhaltiger wirtschafteten. Dort haben sich Innovationen der vom an die Macht gelangten Hitler frisch ausgerufenen „neuen deutschen Frömmigkeit“ besonders gut gehalten, z.B. in Form der „Julfeiern“ oder „Schönererkneipen“, die von der bildungsbürgerlichen Rechten ganz offen und aktiv weiter gepflegt werden. Wer aber meint, im Deutschen würde dieses Erbe nun erst wieder aufgewärmt oder völlig neu entdeckt, braucht sich bloß Thomas Frickels Dennis-Dokus (Deckname Dennis 1997, Mondverschwörung 2011) angucken und wird auf lustigste Weise eines Besseren belehrt.
Der eingangs erwähnte vierteljährliche Newsletter macht 2013 nebenbei sein erstes Dutzend voll. Generell ist er zusätzlich zur Website aktuellen Meldungen, Ergänzungen, Interessantigkeiten, Sonderangeboten oder Hintergründen exklusiv für die Eingeschriebenen gewidmet. Online verfügbar wird dessen Content -wenn überhaupt- immer erst mit gehöriger Verspätung. Aus Anlass des ersten Dutzends soll es nun im Dezember eine leicht bebilderte Compilation der bisherigen Ausgaben als Word-Doc per eMail bzw. gewünschtenfalls als gedruckte und geheftete Zusendung geben (für 5 bzw. 10 € Kostenbeitrag via liguria@ok.de zu ordern).


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