Italienische Regierung wird künftig von den Deutschen gewählt!

26.1.2014 admin ITALIEN-Hintergrundinfo

Nach der letzten Italienwahl hatte der Austriaco Werner Pirker, politischer
Journalist und Aktivist vom Roten Stern, es bereits wie so oft messerscharf auf den
Punkt gebracht: „Um die Demokratie auch in Italien marktkonform auszurichten, WIRD DIE
ITALIENISCHE REGIERUNG KÜNFTIG WOHL VON DEN DEUTSCHEN GEWÄHLT werden müssen.“
In Österreich ist es um die Italien-Kompetenz in Presse und Politik sowieso besser
bestellt als in dem komischen Land da, wo eine herausfordernde Witzfigur, dessen Namen
in Europa jetzt schon keine/r mehr kennt, was von 2 Clowns faseln kann, die in Italien
die Wahlen gewonnen hätten. Und niemand lachte diese aufgeblasene Null aus, dabei
musste man es doch nur mal richtig angucken… Werner Pirker ist nun im Januar völlig
unerwartet, aber von etlichen auch linksgenannten Schnarschtörtchen (von den
Deutsch-Bahamas bis zu einer buchhandelnden Metzgerei im Ruhrpott) heiß ersehnt,
verstorben und verstummt. Wir verlieren mit ihm einen Riesen im revolutionären Ringen
um eine andere, bessere, unsere Welt. Seine argumentative Kraft hat vernehmlich dazu
beigetragen, dass nicht alle linken Alternativen dem Mainstream systematischer
Anpassung, eurozentrischer Herrenvolk-Attitüde, sarrazinös-antimuslimischer Rassismen,
neoliberaler Krisen- und Kriegstreiberei, internet- und medienverblödeter
Virtualisierung, esoterischer Verschleierung sowie als Fortschritt oder Befreiung
umdeklarierter imperialistischer Weltherrschaft und Ausbeutung bis zum Letzten gefolgt
sind. Sein Tod hinterlässt eine brutale Lücke, die schwerlich adäquat zu schließen
sein wird. So ein Mist.
Italien, um zum Ausgangspunkt zurückzukommen, ist für uns auf dem Posto TMM
natürlich stets zentrales Thema. Das kam von Anfang an und kommt auch weiterhin immer
wieder in unserem quartalsweise erscheinenden Newsletter zum Ausdruck. Schon in der
Nullnummer (Nov.2010) ging es unter der Überschrift „IDENTITÄT ALS TRIUMPH DER
VIELFALT (am Beispiel der Pasta mit Tomatensauce)“ um die revolutionäre Brisanz der
ursprünglich italienischen Slow-Food-Bewegung, dessen Präsident Carlo Petrini
regelmäßig zum Terra-Madre-Tag für Biodiversität, Ernährungssouveränität und Erhalt
der globalen Lebensmittelvielfalt agitiert: „Die globale Revolution geht von der
lokalen Dimension aus, von der die [Terra Madre-]Bündnisse die besten und kreativsten
Interpreten sind. Für diese ist in der Tat jede alltägliche Handlung schon ein
revolutionärer Akt gegenüber dem Treiben der globalen Agrarindustrie.“ Mit
modisch-nationaler Identitätshuberei hat das ersichtlich genauso wenig zu tun wie mit
hedonistisch reduzierter Feinschmeckerei oder irgendeinem entpolitisiertem Vokü- und
Tafel-Abspeisbuhei. In der Nummer 11 (Aug.2013) hieß es zur o.g. Italienwahl:
„Nun hat ja der klare Wahlsieger (Bersani und dessen Mittelinksbündnis) aus
arithmetischen und koalitions-chemischen Hinderungsgründen keine Regierung bilden
können, wohl aber dessen hauseigener Ersatzmann Letta. Der war sich für eine große
Koalition mit dem Wahlzweiten (Berlusconi und dessen Mitterrechtsbündnis) nicht zu
schade, obwohl es für ihn (anders als für seinen abservierten Vorgänger) ja auch den
dritten Wahlsieger (Grillo und dessen 5-Sterne-Bewegung) noch als jedoch sehr stark zu
umwerbende Option gegeben hätte. Gegenüber diesen 3 Zirka-30%-ern fällt der auf weit
unter 10% herabgewählte EU-Favorit Monti kaum ins Gewicht. Allerdings muss frau sich
auch den Letta bloß mal richtig angucken, um hinter der schicken Brille die
Sozdem-Version des neoliberalen EU-Lieblings zu erkennen. Er macht sogar die
standesgemäß nette Politik, hauptsächlich Privatisierungen öffentlicher Güter und
Vorbereitung einer genehmen Wahlrechtsreform, während der schlaue Berlusconi sich von
politischen Ämtern fernhält und von seinem Parteivorsitz aus hintenrum die Strippen
seiner Leute zieht, dasselbe Ziel wie vor 20 Jahren beim Eintritt des Medien-Tycoons
in die Politik verfolgend: Rettet meine Millionen, meine Firmen und meine weiße Weste!
Doof jetzt, dass nach 100 Tagen Regierungszeit dieser Koalitionsfrieden von außen
gestört wird, durch eine nun rechtskräftige Verurteilung des Politmilliardärs wegen
Steuerbetrugs.“
Zu Risiken und Nebenwirkungen einer arroganten, asozialen und ademokratischen
EU-Herrschaft unter Merkels Führung und nach Pfeife der Konzerne gab es in
vorhergegangenen Newsletters wie gesagt schon Einiges zu lesen. An anderer Stelle
dieses Liguri-Blogs findet sich demnächst auch ein Artikel aus der Nummer 7
(Aug.2012). Aus Anlass des Ende 2013 rund werdenden ersten Dutzends erschienener
Ausgaben gibt es übrigens eine leicht bebilderte Compilation der bisherigen Ausgaben
als Word-Doc per eMail bzw. gewünschtenfalls als gedruckte und geheftete Zusendung
(für 5 bzw. 10 € Kostenbeitrag ab heute schon zu ordern) zum eventuellen Nachlesen in
aller Ruhe. Der kostenfreie Bezug der aktuellen Newsletters geht per eMail an
„liguria@ok.de“ mit der Anforderung „Her mit dem Newsletter!“ im Betreff.

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