Radikal rustikale Workshops im 0,9-Planeten-Haus

9.3.2020 silliguri OIKOS-Workshops

„Eine Sage ist keine Tue“, verdichtete Tucholsky schon vor 100 Jahren ein tiefgründendes Manko entfremdeten Menschseins im Deutschen seiner Zeit, das sich unbehoben bis heute kurz vor Klimakollaps und erneut in planetarischer Führungsrolle noch ausgewachsen hat zu einer global gattungsgefährdenden Unfähigkeit, den scheinbar großen Worten mal wenigstens ansatzweise die guten Taten folgen zu lassen. Wenn das noch was werden soll mit der Rettung des Planeten für die Menschen (also nicht nur dessen privilegierteste Gruppen, soweit sie die Luxus-Party überhaupt noch wirklich genießen können), geht das nicht mit lähmend schlauem Hin- und Hergelaber, was denn alles nun nicht der richtige Weg sei, sondern bloß in der Aktion selbst. Ergo bedarf es einer verbrauchsreduzierenden Gleichmacherei auf einen universalen Mittelwert von deutlich unter 1 Erde jährlich – und in der Bringschuld befinden sich logischerweise die für weit mehr als 1 Erde vom Planeten Zehrenden. Die Deutschen z.B. völlern so, als ob sie 3 davon zur Verfügung hätten. Die USA fressen für 5, China für 2,2 und die Weltbevölkerung im globalen Mittel für 1,7 Erden. Bei einem Ressourcenkonsum wie in Italien bräuchten wir 2,7 Erden, bei einem wie bei uns auf dem Posto 0,9 – das zeigt: eine bessere Welt IST möglich. Zwar sind individuale Bestleistungen keine Lösungen für sozio-politische oder gar wirtschaftssystemische Problemkomplexe, aber doch erste Schritte, Schaufenster in richtiger Richtung und es macht Spaß und klüger dazu.
„Eine Sage ist keine Tue. | Betrachten wir das in aller Ruhe. | […]Reden gut. Tun: oh konträr… | Ach, daß es doch einmal umgekehrt wär-!“, heißt es im Zusamenhang nach wie vor treffend – nur dass der fromme Wunsch auch diesmal den diesmal finalen Weltenbrand nicht bannt. Wer also genug vom theoretischen Geschwätz ohne alle Praxisrelevanz hat, findet auf unserem altermondialen BildungsPosto TMM auch 2020 wieder eine rauhe Menge unserer Oikos-Workshops zum Auftrainieren autonomer Selbstmachkräfte durch praktische Vermittlung von Einsichten und Fertigkeiten in diverse altermondial brauchbare Gewerke vom Bierbrauen (Achtung: nur 1x pro Jahr zu Frühlingsanfang!), Trockenmauern und Seifenherstellen über silvane Sammelgänge, Destillieren oder Esskastanienverwertung bis hin zu angewandtem Darmtraining oder Hardcore-Waldbaden – und dieses Jahr sogar 2 neue Workshops, die auf der Homepage noch gar nicht beschrieben sind: Frisch im Programm im Hort des radikalen Rustikalismus begrüßen wir nämlich die Workshops „hautnah erlebte Entschleunigung“ am ungestellten Beispiel eines gerade anfallenden Tagwerks sowie
„Degrowth & Digital Detox“ mit praktischen Anleitungen und inspirativen Demonstrationen zur Kunst, den eigenen ökologischen Fußabdruck tätig zu dekontaminieren. Unser OIKOS-Konzept dahinter fostert -versprochen- dabei nicht etwa irgendeine Selbstoptimierung zum Preis des Grünen Kapitalismus, sondern Übung und Schärfung eigener Praxis dahingehend, dass auch im kleinen Nahen schon das große Ferne sichtbar werde – offensiv vertretene Reduktion auf die nötigen, die wichtigen, die schönen Dinge des Lebens eben: Ernstmachen mit einfachem, sparsamem, welt- und umweltverträglichem Leben; und die vielen Mühen und Nöte dieser Arbeit ganz entspannt auch als Chance begreifen, d.h. im Vorgriff auf eine andere, bessere Welt – altermondial im Praktischen, zum Angucken. Und das ist ja klar: Bequem ist an diesem Weg mal gar nix, die meisten scheitern -auch bei verbal bestem Willen- schon an der konkreten Umsetzungsvorstellung vom tatsächlichen Verlassen der Komfortzonen (Fernsehsofas und Computerterminals, regelmäßige Schönjobs oder wenigstens genug Transfer- und Versicherungsleistungen, blasengefilterte Virtualrealitäten zur lichten Selbstverständigung und für echte Konflikte mit all dem Anderen im Dunklen gibt’s berufsmäßig Zuständige).
Digital Detox bedeutet in diesem Zusammenhang bekanntlich nicht den Totalverzicht auf digitale Hilfsmittel oder die Erstentgiftung mit dem Ziel, eines künftig suchtfreien Lebens „always off“; aber um die Rückgewinnung autonomer Kompetenzen und Fertigkeiten zur analogen Problembewältigung und deren praktische Einlösung geht es schon. Lange vor Auftauchen des „Digital Detox“-Begriffs haben wir das als CRUST!CORE übrigens bereits so auf den Punkt gebracht: „Der ganze Konsum-, Techno-, Luxus- und Verblödungsdreck, der da die Gesellschaft zumüllt und den Mensch vom Menschsein entfremdet, interessiert uns nicht – und ebensowenig dessen marode Werte, Rechtfertigungen und Ideologien. Sicher nutzen wir auch selber Photovoltaik oder Internet, aber eben unter anderem sowie im Rahmen und als Mittel unsres Projekts – nicht als Selbstzweck oder als ferngesteuerte Marionetten, die gar nicht mehr anders können“. Schön, dass das inzwischen von einer wachsenden Menge an Leuten ähnlich gesehen wird; sogar die Digital-Koryphäe Jaron Lanier, Importeur des Empathie-Begriffs aus 100 Jahre alten Sci-Fi-Ideenexperimenten („wie ein Mensch sich fühlen würde, der sich vorstellt, irgendein anderes Element des Universums zu sein, etwa ein Berg oder eine Weintraube“) in die Hightec-Marketing-Sprache, wo er schon in den 80ern den Einsatz von „Virtual Reality (VR) als Empathie-Tool“ ansprach, ruft inzwischen jede/n zum sofortigen Löschen der eigenen Social-Media-Accounts auf[1], was wir nur unterschreiben können. Bei uns war das vor über 10 Jahren bereits eine selbstverständliche Voraussetzung für alle weiteren Schritte unseres Vorstiegs dorthin, ab wo’s überhaupt erst interessant wird. Wer ist original digital detox? Die Grüne Matrix is original digital detox.
[1] Ders., 10 Gründe warum du deine Social Media Accounts sofort löschen musst, Hamburg 2018, S.111f;
just do it.

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