Ferragosto, Corona und das Märchen vom Eisenaugust

14.8.2021 silliguri Newsletter Technix IMPRESSUM

[ein Artikel aus dem Newsletter #44, Aug.2020] Es ist ja nicht so, dass Corona auf unsrem Posto TMM so gar keine Rolle spielen täte; Schon aus wirtschaftlichen Gründen tangiert uns das wie jede/n in Italien mit direktem oder indirektem Konnex zum Fremdenverkehr spürbar – und nirgends wird der gewisse Einbruch deutlicher als während des wichtigsten Fests im Land, dem Ferragosto. Dennoch kriegt Corona auch weiterhin keinen eigenen Artikel im Newsletter, weil wir uns vom neuartigsten Hot Shit doch nicht die Inhalte diktieren oder den Alltag takten lassen. (Dafür haben wir schließlich auch Coroniiiie im Team, die mit wochenaktuellen Lazarettberichten zu Ligurien oder wenigstens gelegentlichen Lebenszeichen aus der Pause zwischen den Wellen alles Triftige zum Thema kurz und kompetent im LiguriBlog unter „Corona Settimanale“ raushaut.) Stattdessen schauen wir mal auf die genannten Feiertage so um, vom und zum 15.August, über deren Entstehung wir bspw. schon die dollsten Weisheiten zu hören bekammen. Den Vogel abgeschossen hat Einer, der die 2 Wochen landesweite Ferienzeit auf die vor vielen Jahrzehnten noch ziemlich einheitliche Betriebsferienpraxis in Italien zurückführte, die ursprünglich von der Eisen- und Stahlindustrie bzw. den dort Arbeitenden ausging. Und dann ist in Italien alles kreuz und quer in Urlaub gefahren, oft noch mit der Eisenbahn, der Ferrovia. Tatsächlich ist der Eisenaugust allerdings ein Augustfest – und zwar „Feriae Augusti“, die der altrömische Kaiser Augustus anlässlich seiner Triumphe über Marc Anton und Kleopatra über die 3 Tage vom 13. bis 15. feiern ließ (arbeitsfrei übrigens auch für die Sklav/innen). Ein halbes Jahrhundert später fand sich das Fest wie unzählige populäre Heidenfeierlichkeiten gleichermaßen christlich annektiert durch Um- und Anverwandlung, hier als Mariä Himmelfahrt.
Heute sind aus den antiken 3 Tagen eher fast 3 Wochen um den 15.August geworden, in denen Leute aus den Bergen ans Meer oder von dort in die Berge fahren, entlegene Heimatdörfer oder weggezogene Verwandte oder sonstwo Gestrandete besucht werden – und in denen v.a. viel gefeiert wird: Mit Gitarren und Gesang im offenen Freundeskreis, Lagerfeuer und Picknicks am Meer, Völlerei und Böllerei, allenthalben auch größeren und offizielleren Festen mit Feuerwerk und Kirmesbetrieb. Sogar in Corona-Zeiten wie aktuell in San Remo unten, mit landesüblicher Maskendisziplin. Die Städte verwaist bis auf die Touris und wer abhauen kann (also nicht die in der Reise- und Gastro-Branche der Ausflugsziele Tätigen), tut das auch 2020 [und ’21ff]. „Buon ferragosto!“ wünscht nunmal Ostern und Weihnachten zusammen, ganz säkulär und der realen Welt der Lebenden zugewandt, da mag diese grade noch so düster gezeichnet erscheinen. Tutto andrà bene, se non tornerà tutto come prima. Und da die Liebe auch zum Leben durch den Magen geht, gibt es hier noch schnell das Rezept zum „Pranzo di Ferragosto“, was ungefähr genau so in Gianni di Grigorios überaus sympathischer, in einem leergefegten Rom Mitte August spielender Sozialkomödie „Festmahl im August“ filmverewigt wurde (2008 ausgezeichnet auf der Biennale von Venedig, die sogar dieses Jahr noch stattfinden könnte). Im Grunde handelt es sich bei „Pasta al Forno“ einfach um überbackene Ofennudeln in diesen ausladenden Auflaufformen, die sich so leicht zu einer einladenden Geselligkeit hintransportieren lassen, wo viele liebe Mäuler lecker gestopft werden sollen. Wer’s zum Nachkochen präzise wissen will, klickt hier auf unsere Rezepte. Und wer den vierteljährlichen Newsletter im speichersparenden Nurtext-Format kostenlos zugemailt haben will, klickt auf unsere Homepage liguri.info und geht hier links in der Navigation auf „Newsletter bestellen“, her damit!


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